Wie funktioniert so eine Therapie überhaupt?

Sitzung beim Psychologen

Was ist eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie?

Tiefenpsychologie als Verfahren der psychodynamischen Psychotherapie


Die Tiefenpsychologie (auch genannt tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das bestimmte Probleme und Konflikte eines Menschen versucht zu erfassen, da mit ihnen bereits erlebte Erfahrungen aus der Kindheit an die Oberfläche gelangen, die sich in Form psychischer Störungen äußern und die Seele erkranken lassen. Das Verfahren ist aus der Psychoanalyse abgeleitet worden und bedient sich ihrer Methoden und Techniken. Primäres Verständnis liegt in der Annahme von Sigmund Freud, dass psychische Störungen des Menschen auf bereits erlebte Konflikte zurückgehen und nicht zufällig in Lebensphasen auftreten.

Abgrenzung zur Psychoanalyse: Fokus auf bestimmten Konflikten statt allen Konflikten

Die Tiefenpsychologie ist neben der Psychoanalyse ein Verfahren, dem sich die Psychodynamische Psychotherapie bedient. Im Gegensatz zu Europa spricht man in den USA häufiger von Psychodynamischer Psychotherapie als Oberbegriff von Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Tiefenpsychologie und Psychoanalyse gehen beide davon aus, dass psychische Störungen auf bereits erlebte Konflikte zurückgehen und setzen daher an der Kindheit des Patienten an. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit demselben Verfahren wie die Psychoanalyse, fokussiert sich jedoch nur auf spezifische Konflikte des Patienten. Die Psychoanalyse hingegen widmet sich allen Konflikten – auch jenen, die (noch) zu keinen Störungen geführt haben. Aus diesem Grund wird die Psychoanalyse hochfrequent (bis zu fünfmal pro Woche) und im Liegen durchgeführt – die Tiefenpsychologie hingegen nur im Sitzen und üblicherweise nur ein- bis zweimal pro Woche.

Breites Anwendungsgebiet tiefenpsychologischer Therapiekonzepte

Tiefenpsychologisch fundierte Therapien sind sehr verbreitet und können bei einer Vielzahl an psychischen Krankheiten angewendet werden. Beispielsweise bei Neurosen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Lebenskrisen, Erschöpfungszuständen sowie bei Zwangs- und Essstörungen kann die tiefenpsychologische Psychotherapie helfen. Betroffene sollten jedoch bereit sein, an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten, wenn sie sich auf die Tiefenpsychologie einlassen. Möchte ein Mensch lieber nur seine Verhaltensweise ändern, so sind andere Therapiemaßnahmen wie die (kognitive) Verhaltenstherapie besser geeignet.

Dauer und Durchführung der TiefenpsychologieTherapiedauer entscheidend kürzer als bei der Psychoanalyse

Tiefenpsychologische Therapien sind sowohl ambulant als auch im Rahmen eines Klinikaufenthaltes möglich. Sie dauern in der Regel nicht so lange wie Therapien der Psychoanalyse, da sie zielorientierter sind und sich hauptsächlich nur spezifischen Problemen sowie deren psychodynamischen und biographischen Ursachen widmen. Sie finden ein- bis zweimal pro Woche statt und umfassen in den meisten Fällen ungefähr 60 bis 120 Stunden. Sitzungen der Psychoanalyse können dagegen bis zu 600 Stunden in Anspruch nehmen und über mehrere Jahre dauern.

Durchführung: Therapeut hilft dem Patienten, Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu finden

Während der Therapie spricht der Patient face-to-face mit seinem Therapeuten, wodurch sich die Tiefenpsychologie von der Psychoanalyse unterscheidet, bei der die Sitzung im Liegen stattfindet. Ein weiterer Unterschied ist, dass das Gespräch bei einer tiefenpsychologischen Beratung aktiver vom Therapeuten gestaltet wird als in der Psychoanalyse. Er steuert die Sitzung, indem er dem Patienten gezielt Fragen stellt, statt ihn - wie bei psychoanalytischen Verfahren - frei assoziieren zu lassen. Therapeut und Patient finden auf diese Weise zusammen heraus, welche unbewussten Konflikte der Problematik zugrunde liegen. Während der Therapie versucht der Therapeut, dem Patienten neue Sichtweisen auf spezifische Konflikte und Probleme zu offenbaren, damit er Probleme besser bewältigen kann.

Chancen und Vorteile der TiefenpsychologieAufarbeitung spezifischer Probleme als Vorteil

Mit tiefenpsychologisch fundierten Verfahren können gezielte Problemstellungen behandelt werden, ohne dass sich der Patient auf ein langes Therapieverfahren einlassen muss. Die Tiefenpsychologie eignet sich von daher besonders bei der Bewältigung kurz- oder mittelfristiger Probleme.

Supportgruppentreffen

Wie funktioniert eine tiefenpsychologische Gruppentherapie?

An einer tiefenpsychologischen Gruppentherapie nehmen mehrere Personen teil. Die Besonderheit der Gruppentherapie und gleichzeitig ihr heilsamer Faktor ist die soziale Interaktion der Gruppe. Die Gruppentherapie stellt einen geschützten Ort dar, an dem die Teilnehmer miteinander in einer Art "Stuhlkreis" über ihre meist ähnlichen psychischen Probleme sprechen. 


Menschen haben hier die Möglichkeit, mehr über ihre psychischen Erkrankungen zu lernen, indem sie ihre Gefühle den anderen Teilnehmern erzählen oder über ihre Gedanken sprechen. 


Eine Sitzung umfasst circa drei bis acht Patienten. Interaktion und Reinszenierung sind wichtige Bestandteile der Gruppentherapie. 


Der Gruppentherapie liegt die Theorie zugrunde, dass sich unbewusste Konflikte (insbesondere in der zwischenmenschlichen Interaktion) reinszenieren, da Patienten zu anderen Menschen so in Beziehung treten, wie sie es in ihren früheren Beziehungen erfahren haben. Durch das Miteinander in der Gruppe entstehen Interaktionen, die denen außerhalb der Gruppe (also "im richtigen Leben") ähneln. Die Gruppenpsychotherapie dient somit dazu, dem Menschen eine korrigierende Beziehungserfahrung zu ermöglichen. Durch das geschützte Setting der Gruppe, die Gruppenregeln sowie durch die therapeutische Begleitung kann in der Gruppe leichter über Interaktionen kommuniziert werden. Patienten können somit Missverständnisse aufklären, das interaktionelle Miteinander auf einer Meta-Ebene betrachten sowie Feedback geben und annehmen.


Voraussetzungen: Fast alle Patienten können an der Gruppentherapie teilnehmen

Die Psychotherapie in der Gruppe ist grundsätzlich sowohl für alle Patienten als auch alle neurotischen Störungen geeignet, da vor allem die unterstützende Komponente der Mitpatienten eine entscheidende Ressource im Heilungsprozess darstellt. Für Menschen mit Psychosen ist dagegen eine Einzeltherapie besser geeignet. Auch wer Angst hat, vor einer Gruppe über seine Gefühle zu sprechen, sollte eine andere Therapiemöglichkeit in Betracht ziehen.


Dauer und Durchführung der Gruppentherapie: Regelmäßigkeit und Kontinuität sind wichtig bei der Dauer der Therapie. 


Die Gruppenpsychotherapie findet ein- bis zweimal pro Woche statt und dauert in der Regel 100 Minuten. Über welchen Zeitraum dieses Setting der Psychotherapie notwendig ist, kann nur schwer verallgemeinert werden, da sie sowohl über Wochen als auch Monate oder Jahre fortgeführt werden kann.


In der Gruppentherapie gibt es festgelegte Regeln wie Diskretion oder Vertraulichkeit, an die sich alle Teilnehmer zu halten haben. Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe, da Menschen ihre psychischen Probleme nur ungern preisgeben. Des Weiteren ist eine wertschätzende Haltung innerhalb der Gruppe sehr wichtig. Jeder Patient sollte daher in Ruhe ausreden dürfen. Feedback wird von den Mitpatienten in der Ich-Form gegeben und sollte wertschätzend statt wertend formuliert werden.


Chancen und Vorteile der Gruppentherapie:

Die Erfolgsaussichten dieses Settings der Psychotherapie sind sehr gut. Die Gruppentherapie ist ein effizientes Behandlungssetting, das insbesondere die Interaktion mit anderen Menschen als großen Mehrwert nutzt. Die soziale Gruppendynamik verhindert in den meisten Fällen, dass Stille entsteht, falls Menschen ihre Gefühle nicht äußern möchten. Die Teilnehmer können sich in der Gruppenpsychotherapie somit gegenseitig unterstützen und Kraft geben. Der geschützte Raum kommt dabei vor allem neuen Teilnehmern entgegen. Dieses Setting der Psychotherapie ist hilfreich, die Ich-Stabilisierung zu verbessern sowie die Selbstreflexion zu trainieren. Es trägt ebenfalls dazu bei, Rückfälle zu verhindern und die Genesung der Patienten zu fördern. Darüber hinaus können Erfahrungen aus der Gruppentherapie auch für die Einzeltherapie genutzt werden, sodass der Erkenntnisprozess eines Patienten beschleunigt werden kann.

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